Oxalsäure im Winter: So gelingt die Restentmilbung
Im brutfreien Winter sitzen fast alle Varroamilben auf den Bienen. Das ist die beste Gelegenheit im ganzen Jahr, sie mit einer einzigen Behandlung zu erwischen.
Warum die Winterbehandlung so wichtig ist
Solange das Volk Brut hat, vermehrt sich die Varroamilbe in den verdeckelten Zellen, wo keine Behandlung sie erreicht. Im Winter stellt die Königin die Eiablage ein. Nach etwa drei Wochen ist die letzte Brut geschlüpft, und alle Milben sitzen auf den Bienen. Eine einzige Oxalsäurebehandlung kann dann den Großteil der Milben entfernen.
Jede Milbe, die den Winter überlebt, ist im Frühjahr der Anfang einer neuen Population. Wer im Winter gründlich behandelt, startet mit einem Volk ins neue Jahr, das bis zur Sommerbehandlung deutlich weniger Milben aufbaut.
Der richtige Zeitpunkt: brutfrei
In den meisten Regionen Deutschlands sind die Völker etwa drei Wochen nach der ersten längeren Frostperiode brutfrei, oft im Dezember. Ein fester Kalendertermin passt nicht jedes Jahr: Nach einem milden Herbst brüten manche Völker bis weit in den Dezember hinein.
- Rechne ab der ersten Kälteperiode mit Nachtfrost etwa drei Wochen.
- Bist du unsicher, kontrolliere ein Volk: Zieh eine Wabe aus der Mitte des Wintersitzes und schau nach verdeckelter Brut.
- Behandle nicht zu spät im Winter. Ab Januar beginnen viele Völker wieder zu brüten.
Die drei Anwendungen im Überblick
- Träufeln: wenn das Volk brutfrei ist und die Bienen in fester Wintertraube sitzen, unter etwa +5 °C. Die gebräuchlichste Methode, nur einmal pro Winter.
- Sprühen: auf brutfreie Waben, wenn die Bienen nicht in der Traube sitzen, also bei milderen Temperaturen. Jede Wabe wird einzeln besprüht. Gut für Kunstschwärme und Ableger.
- Verdampfen: brutfrei, laut Beipackzettel bei etwa 2 bis 10 °C. In Deutschland nur mit Varroxal und den dafür zugelassenen Verdampfern (Varrox, Varrox Eddy). Atemschutz ist Pflicht.
Nur zugelassene Präparate verwenden
Oxalsäure ist in Deutschland als Tierarzneimittel zugelassen, zum Beispiel als Oxuvar, Oxuvar 5,7 %, Oxalsäuredihydratlösung 3,5 %, OxyBee, Varroxal oder in Kombination mit Ameisensäure als VarroMed. Welche Methode erlaubt ist, hängt vom Präparat ab: Varroxal ist das einzige Präparat, das verdampft werden darf. Selbst angemischte Oxalsäure aus dem Baumarkt ist nicht erlaubt. Halte dich bei Konzentration, Menge pro Volk und Anwendung genau an den Beipackzettel des Präparats, das du verwendest. Die Angaben unterscheiden sich je nach Produkt und Methode.
So gehst du beim Träufeln vor
- Die 3,5 %ige Lösung nach Beipackzettel vorbereiten und handwarm anwenden (etwa 30 bis 35 °C). Kalte Lösung belastet die Bienen.
- Beute ruhig öffnen und die besetzten Wabengassen zählen.
- Die Lösung gleichmäßig direkt auf die Bienen in den besetzten Wabengassen träufeln, nicht auf leere Waben.
- Üblich sind etwa 5 bis 6 ml je besetzter Wabengasse, insgesamt 30 bis 50 ml pro Volk. Auch bei zweizargigen Völkern höchstens 50 ml. Maßgeblich ist der Beipackzettel deines Präparats.
- Beute zügig schließen. Das Ganze dauert pro Volk nur etwa eine Minute.
Träufeln nur einmal pro Winter. Eine wiederholte Träufelbehandlung schädigt die Bienen und verkürzt ihre Lebensdauer.
Erfolgskontrolle mit der Windel
Lege eine Bodeneinlage (Windel) unter das Gitter und zähle die abgefallenen Milben in den ersten zwei bis drei Wochen nach der Behandlung. Ein hoher Milbenfall zeigt, dass die Behandlung nötig war. Danach sollte der natürliche Milbenfall unter etwa 0,5 Milben pro Tag liegen. Liegt er deutlich darüber, sprich mit deinem Bienensachverständigen oder Imkerverein. Eine zweite Oxalsäure-Träufelung ist keine Lösung.
Bestandsbuch nicht vergessen
Jede Behandlung mit einem Tierarzneimittel muss im Bestandsbuch dokumentiert werden: Datum, Präparat, Menge, Anzahl und Standort der behandelten Völker sowie Chargennummer. Bewahre auch den Kaufbeleg auf. Am einfachsten trägst du die Behandlung direkt am Stand ein, solange du noch weißt, welche Völker du behandelt hast.
In Beezyhives trägst du die Oxalsäurebehandlung für mehrere Völker auf einmal ein. Die App führt das Bestandsbuch für dich und erinnert dich im nächsten Winter rechtzeitig an die Behandlung.
Quellen und offizielle Informationen
- LAVES Bieneninstitut Celle: Winterliche Restentmilbung
- LWG Bayern: Varroa Winterbehandlung
- LLH Hessen: Liste der zugelassenen Varroamedikamente
Häufige Fragen
Wann ist das Volk brutfrei?
Meist etwa drei Wochen nach der ersten längeren Frostperiode, in vielen Regionen Deutschlands im Dezember. Nach einem milden Herbst kann es später sein. Im Zweifel eine Wabe aus der Mitte des Wintersitzes ziehen und nach verdeckelter Brut schauen.
Kann ich zweimal träufeln?
Nein. Träufeln ist nur einmal pro Winter vorgesehen, weil eine wiederholte Anwendung die Bienen schädigt. Hält ein Volk danach immer noch viele Milben, sprich mit deinem Bienensachverständigen oder Imkerverein über das weitere Vorgehen.
Wie viel Oxalsäure braucht ein Volk?
Beim Träufeln üblicherweise 5 bis 6 ml der 3,5 %igen Lösung je besetzter Wabengasse, insgesamt 30 bis 50 ml pro Volk, auch bei zwei Zargen nicht mehr als 50 ml. Maßgeblich ist der Beipackzettel deines Präparats.
Muss ich die Behandlung dokumentieren?
Ja. Behandlungen mit Tierarzneimitteln gehören ins Bestandsbuch, mit Datum, Präparat, Menge, Völkern und Chargennummer.
Darf ich Oxalsäure selbst anmischen?
Nein. Verwende nur in Deutschland zugelassene Präparate, zum Beispiel aus der Apotheke oder dem Imkerfachhandel, und bereite sie genau nach Beipackzettel zu.